Neues Regenüberlaufbecken entlastet
Mischwassersystem
Informationstafel zum Regenüberlaufbecken
(PDF)
Flyer zum Regenüberlaufbecken (PDF)
ZVWA investiert rund 4,75 Mio. EUR in die zentrale Kanalisation der Fürstenwalder Altstadt
Ende März starten die mit insgesamt 4,75 Mio.
EUR veranschlagten Bauarbeiten für das neue Regenüberlaufbecken
(RÜB) inklusive Hauptpumpwerk in der Fürstenwalder
Sembritzkistraße. Der Zweckverband Wasserversorgung und
Abwasserentsorgung Fürstenwalde und Umland will mit dieser Maßnahme
(gerade auch bei Starkregen) das Mischwassersystem der Spreestadt
entlasten. Die Investition des Zweckverbandes stellt einen weiteren
wichtigen Schritt zur Entlastung der Spree und des
Mischwassereinzugsgebietes in der Stadt dar.
In der Vergangenheit war es in Fürstenwalde bei anhaltenden
Wolkenbrüchen wiederholt zu Überschwemmungen gekommen. So stand im
Sommer 2002 bei zwei „Jahrhundertregen“ innerhalb einer Woche unter
anderem die Frankfurter Straße zeitweilig unter Wasser. Zu diesem
Zeitpunkt waren die Planungen für das RÜB bereits im Gange, die
Grundstücksfrage in der Sembritzkistraße geklärt und die
Genehmigungen beantragt. Ab März 2006 können nun endlich neben dem
Regenüberlaufbecken (1.900 m³ Speichervolumen) ein Hauptpumpwerk,
eine 400 mm im Durchmesser große Abwasserdruckrohrleitung und ein
Mischwasserkanal mit einem Durchmesser von 1.000 mm neu errichtet
werden. Weiterhin werden Mischwasserkanäle mit Durchmessern von
1.600 bis 2.000 mm – 2 m! – und das Auslaufbauwerk in die Spree
westlich der Gaststätte „Am Spreebogen“ gebaut. Vor allem aufgrund
der Komplexität der Maßnahme zogen sich dabei allein die Verfahren
hinsichtlich der Baugenehmigung, der Einleiterlaubnis und der
Genehmigung des Betriebes der Anlage über mehr als zwei Jahre hin.
„Außerdem“, sagt Marlies Görsdorf, Technische Geschäftsführerin des
ZVWA, „bekamen wir erst jetzt die für den Bau notwendigen
Fördermittel bewilligt.“ Insgesamt werden 21 % der Bausumme
gefördert. Die restlichen mehr als 3,5 Mio. EUR werden vom Verband
ohne Kreditaufnahme finanziert.
Doch warum ist ein RÜB in Fürstenwalde überhaupt notwendig?
Görsdorf: „Ein Regenüberlaufbecken dient bei der
Mischwasserkanalisation, wie wir sie im Fürstenwalder Stadtkern
vorfinden , der Speicherung und Behandlung des gemeinsam in einem
Kanal abfließenden Gemisches aus Regen- und Schmutzwasser sowie der
Abflusssteuerung zur Kläranlage Fürstenwalde. Da die
Spitzenabflüsse dieser Kanalisationsart bei Regen- oder
Tauwetterereignissen ein Mehrfaches des Trockenwetterabflusses
betragen, ist die Schaffung zusätzlichen Stauraums ganz einfach
notwendig. Mit diesem Projekt werden die Kläranlage hydraulisch
entlastet und die Mischwasserabschläge in die Fürstenwalder Spree
minimiert.“
Rainer Schmelzle von der SAG Abwasserreinigungs-Ingenieur-GmbH
Sachsen, der das Großvorhaben leitet, sagt: „Viele Städte haben im
Zentrum Mischwassersysteme – in Baden-Württemberg beinahe alle. Die
Mischsysteme entsprechen in Verbindung mit der Anordnung von
Regenüberlaufbecken dem Stand der Technik.“ Übrigens: Die
Alternative zur Errichtung von Mischwassersystemen sind
Trennsysteme – also getrennte Kanäle für Schmutz- und
Regenwasser.
Bei neu zu errichtenden Entsorgungssystemen werden heute in
Deutschland üblicherweise getrennte Systeme für die Ableitung von
Regen- und Schmutzwasser errichtet. Doch überall dort, wo die
Mischwassersysteme historisch „gewachsen“ sind, stehen die
Entsorgungs-pflichtigen vor der Aufgabe zu entscheiden, ob sie das
bestehende Mischwassersystem ertüchtigen und modernisieren oder
getrennte Systeme neu errichten. „Auf der Grundlage des Mitte der
90er Jahre aufgestellten Generalentwässerungsplanes haben wir uns,
nicht zuletzt auch aufgrund der Kosten, für die Ertüchtigung und
Instandsetzung des Mischwassersystems entschieden“, so Görsdorf.
„Mit der Inbetriebnahme von Regenüberlaufbecken und Hauptpumpwerk
wird das alte Pumpwerk Ende 2007 stillgelegt. Das Grundstück in der
Straße ‚Am Pumpwerk’ soll dann verkauft werden.“
Laut Görsdorf müssen sich in den nächsten Jahren weitere Vorhaben
hinsichtlich des Mischwassersystems anschließen. Über die
Dr.-Wilhelm-Külz-Straße wird es in Richtung der Frankfurter Straße
weiter gehen, die Sanierungsarbeiten werden in den kommenden Jahren
ein wesentlicher Schwerpunkt der Investitionstätigkeit des
Zweckverbandes bleiben.
22.09.2007 Tag der offenen Tür am Regenüberlaufbecken
Am 22.09.2007 veranstalteten wir in Fürstenwalde
am Regenüberlaufbecken einen Tag der offenen Tür. Das Wetter war
fantastisch. Es erschienen viele interessierte Bürger, um die
einmalige Gelegenheit zu nutzen das Regenüberlaufbecken selbst,
sowie die Zu- und Überlaufkanäle zu besichtigen. Herr Schmelzle und
Herr Bürger von der SAG-Abwasserreinigungs-Ingenieur GmbH Sachsen,
Schwepnitz zeigten, wo das Wasser ankommt, wo es sich staut und wie
das dazugehörige Pumpwerk funktioniert.
Während die Erwachsenen die Unterwelt in Augenschein nahmen, wurde
die Spiel- und Bastelstraße von den Kindern begeistert angenommen.
Für das leibliche Wohl unserer Gäste war gesorgt. An der
betriebseigenen Trinkwasserbar konnte kostenlos der Durst gelöscht
und die Qualität unseres Trinkwassers getestet werden. Von der FWA
GmbH, Frankfurt/Oder wurde eine Wasserwaage zur Verfügung
gestellt, auf der jeder sein Gewicht in Trink- und Abwasser
aufwiegen lassen konnte. Außerdem konnten die Besucher Wasserproben
aus ihren Brunnen mitbringen, die ausgewertet wurden. Tatkräftige
Unterstützung erhielten wir hierbei von Herrn Dr. Reiher (AKS,
Frankfurt/Oder).
Ebenso begeistert wurden die Führungen zur Kläranlage und die
Informationen zu der geplanten Erweiterung der Kläranlage
Fürstenwalde von unseren Gästen angenommen. Es herrschte eine rege
Nachfrage. Bei der Führung wurden die Besucher von dem Gutachter
Herrn Dr. Möller (UBB GmbH, Berlin) über den aktuellen Stand des
Genehmigungsverfahrens für die Erweiterung der Kläranlage
informiert.
Auf diesem Wege möchten wir uns bei allen interessierten Bürgern,
sowie den vielen fleißigen Helfern für die tatkräftige
Unterstützung recht herzlich bedanken. Es war ein sehr gelungener
Tag.
Vererdung reduziert das Volumen um 95 Prozent
Abwasser zu reinigen, dass es wieder in den Naturkreislauf des Wassers zurückgeführt werden kann, ist bei entsprechendem Aufwand aus technologischer Sicht kein Problem mehr. Doch wohin mit dem Klärschlamm?
Beete in umweltfreundlicher Erdbauweise
Immerhin fallen in Deutschland Jahr für Jahr 2,5 Mio. t (Trockensubstanz – TS) an. Da nehmen sich die jährlichen 5.300 t Klärschlamm (31 % TS Abgabekonzentration) des Zweckverbandes für Wasserver- und Abwasserentsorgung Fürstenwalde und Umland zwar bescheiden aus, wobei die Kosten für die Abgabe des Klärschlamms zur Kompostierung jedoch nicht unerheblich sind. Um die 30 Euro je Tonne sind da aufzuwenden, was in der Summe schon eine ansehnliche Zahl ergibt. Da der Verband sich im Interesse seiner Kunden permanent um Kosteneinsparungen bemüht, setzte der frühere langjährige Geschäftsführer Klaus Bendig auf eine neue Klärschlammtechnologie, die Vererdung. Hierbei wird der Klärschlamm mit einem TS von 2% - 3% in Beete gepumpt, die in umweltfreundlicher Erdbauweise errichtet, mit Folien abgedichtet und mit Schilf bepflanzt sind. Über ein Dränagesystem fließt das Wasser ab und der Feststoff verbleibt in dem Becken. Nach sechs bis zehn Jahren ist das jeweilige Beet gefüllt und wird dann nach einer Pause von ca. einem Jahr von dem dann entstandenen Erdsubstrat geräumt. Dabei bleiben die Wurzeln der Pflanzen erhalten und treiben bei dem neuen Beschickungszyklus wieder aus.
Insgesamt wird von einer Nutzungsdauer der Anlage von über 25 Jahren ausgegangen, ohne dass größere Wartungsarbeiten anfallen. Außerdem verfügen die Fürstenwalder mit den ehemaligen Rieselfeldern über ausreichend große Flächen für die gegenwärtig acht Becken. Seit 2001 läuft nun diese Art der Klärschlammbehandlung und es funktioniert zur Zufriedenheit sowohl der Projektanten als auch des Betriebsführers.
Die Vererdung des Klärschlammes weist viele Vorteile gegenüber der bisher üblichen Verarbeitungsmethode auf. Erster und wichtigster Faktor sind natürlich die Kosten. So entfallen die für die mechanische Entwässerung erforderlichen Zuschlagstoffe. Die Transportkosten, der Energieeinsatz und die verbleibenden Betriebskosten sind minimal. Insgesamt spart damit der Verband ca. 85.000 Euro jährlich ein, was natürlich den Gebühren zugute kommt.
Brut- und Rückzugsraum für viele Tierarten
Von Gewicht sind auch die ökologischen Vorzüge. Die mit Schilf bewachsenen Flächen bilden einen wertvollen Lebens-, Brut- und Rückzugsraum für viele Tierarten. Ein weiterer Fakt: Die Nichtinanspruchnahme von Elektroenergie für die Kammerfilterpresse und die Einsparung von Chemikalien verringert den CO2-Ausstoß, die Pflanzen produzieren Sauerstoff bei gleichzeitiger Aufnahme von Kohlendioxid. Wie wichtig derartige klimabeeinflussende Strategien auch im kleinen Maßstab sind, wurde durch die jüngsten Unwetterkatastrophen vorgeführt. „Das Beste an dem Verfahren ist jedoch die Tatsache, dass das Volumen des Klärschlammes um 95 Prozent reduziert wird“, freut sich Klaus Bendig.
